Ich will jetzt schon betrunken sein. Betrunken sein ist absolut scheiße und ich kann das gar nicht leiden, aber jetzt hätte ich das sehr gerne. Und Silvester ist so der einzige Tag im Jahr, an dem ich mit 100%iger Sicherheit behaupten kann, dass ich abends betrunken sein werde.

Ich find das eigentlich ziemlich albern, dass das Ende des Jahres bzw. der Anfang des neuen immer krampfhaft dazu genutzt wird, sich richtig den Kopf zuzukippen, bis man nicht mehr stehen kann. Ich  mein, was ist das denn für ein „Anfang“? Du wachst mit nem ordentlichen Kater auf, womöglich in deiner eigenen Kotze (ist mir noch nie passiert, wird mir auch nie passieren, wage ich jetzt mal zu behaupten, aber ich kenne genug Leute, denen so was immer und immer wieder passiert. Ein Freund von mir ist einmal morgens aufgewacht und hatte die gesamte Wand vollgekotzt, hallelujah!). Ich mach mir jetzt nicht viel aus Jahresanfängen oder –enden, geht ja trotzdem alles irgendwie so weiter und um Punkt 12 Uhr verändert sich ja nicht alles. Aber trotzdem will ich das gerne mitbekommen. Wie gesagt, betrunken sein, gut und gerne, wahrscheinlich halte ich das ganze sonst auch nicht aus, aus sturzbesoffen in der Ecke liegen? Nein danke!

Ich seh das ähnlich wie die Sache mit den Konzerten. Es gibt ne Menge Leute, die gehen auf Konzerte oder Festivals, um sich ordentlich zu besaufen und zuzudröhnen. Ich find das albern. Ich bezahl doch nicht viel Geld, oder auch wenig, ganz egal, um nen Rausch zu haben, und von der eigentlichen Sache gar nicht alles mitzubekommen. Dann doch lieber an Silvester.

Was ich eigentlich damit sagen will, ist: ich werd mich betrinken, ja, und ich werd  mich wahrscheinlich auch noch super asi verhalten und Dinge tun, die ich so wahrscheinlich nicht tun würde…ach nee, das ist ja so, dass man Dinge tut, die man grundsätzlich schon tun würde, man sie aber viel eher im betrunkenen Zustand tut, einfach, weil die Hemmschwelle sinkt. Also, ich werd halt meine Hemmschwelle sinken lassen. Und wenn mir irgendwer blöd kommt, kriegt er aufs Maul. Das ist mein Vorsatz für Silvester, vielleicht auch für’s neue Jahr.

Um mal bei guten Vorsätzen zu bleiben: ich find so was doof. Ich werd  mir jetzt sicherlich nicht vornehmen, ab nächstem Jahr nicht mehr zu rauchen. Erst mal ist das langweilig, das macht doch jeder und schafft es dann nicht. Aber da liegt nicht mein Problem, schaffen würd ich das locker. In der Woche rauche ich so gut wie nie, ab und zu mal auf dem Nachhauseweg, egal von wo, wenn mir danach ist (passiert aber immer seltener, weil ich es mir finanziell nicht oft erlauben kann), ich bin eigentlich ein „Partyraucher“, wenn man das so nennen will. Als ich vor 4 Jahren, oder wann das war, angefangen hab, hat sich die Raucherei wirklich nur auf Parties beschränkt, und dann auch wirklich nur auf die, die in Discos stattfanden, weil meine Freunde damals wohl Angst vor Rauchern hatten oder so (ich glaub, diese Leute haben das auch immer noch). Ich hab mir zu dieser Zeit auch äußerst selten selber Zigaretten gekauft, meistens hat sich doch irgendwer gefunden, der mir die ein oder andere abgegeben hat (solche Leute kann ich heute übrigens nicht leiden, ich armes Kind hab nur noch die paar Zigaretten und irgendsoein Schnorrer, der meistens auch fast doppelt so alt ist, wie ich, lässt mich deswegen den ganzen Abend nicht in Ruhe). Irgendwann hab ich dann mal was „richtiger“ angefangen, hab meine Mutter gesagt, dass ich rauche, und dass sie da auch nix gegen tun kann. Hat sie ja auch nicht. Das hat sich dann alles gesteigert, mittlerweile habe ich die Tabakindustrie sicher ein Stückchen reicher gemacht und wenn ich Lust drauf hab, dann rauche ich einfach. Die Packung Zigaretten in meiner Tasche brauche ich auch einfach. Das gibt mir ein gutes Gefühl, selbst wenn ich sie nur spazieren trage. Na ja, wenigstens kann ich behaupten, absolut nicht abhängig zu sein, ich kann für Tage, oder auch für Wochen einfach mal nicht rauchen und dann stört es mich auch überhaupt nicht, wenn um mich herum geraucht wird. Also warum mir vornehmen, es sein zu lassen? Sollte ich kurz vor dem Ruin stehen und nicht mal mehr zwei Cent in der Tasche haben,  dann kann ich die Sache ja noch mal überdenken.

Andere Vorsätze hab ich auch nicht wirklich, ich nehm mir schon einiges vor, das ist aber immer unabhängig von Uhrzeit oder Datum. In diesem Jahr hab ich z.B. gelernt, dass man die Finger von vergebenen Männern lassen sollte, oder eher von zu viel Alkohol, der ja zu solchen Dingen führt (ach nee, war ja die Hemmschwelle), aber vorgenommen, so was nie wieder zu tun, habe ich mir schon vor nem halben Jahr, und ich denk, dass das auch nicht mehr passiert.

Zumindest, um es noch mal auf den Punkt zu bringen: ich wird mich heute betrinken und Asi sein, und wenn mich jemand um ne Zigarette anschnorrt, wird die ganze Asisache noch übler. Oder so.

In dem Sinne, guten Rutsch!

ende.

Dezember 30, 2007

Morgen ist Silvester, dann ist dieses Jahr endlich zuende. Ob’s wirklich ein Scheißjahr war, kann ich gar nicht genau sagen, weil das letzte nicht besser, wahrscheinlich sogar schlechter war.

Er hat sich gestern noch gemeldet, wollte alles irgendwie wieder gut machen, damit es keinen weiteren Ärger gibt. Er macht das aber auf seine Weise; er ruft nicht an, sagt nicht, dass es ihm leid tut – das sagt er nur, wenn man ihn darum bittet – er schreibt nur zwei, drei Sätze bei ICQ, schreibt, dass er jetzt weg ist, was er tut, wünscht eine gute Nacht und will, dass alles in Ordnung ist. Das scheint alles sehr einfach zu laufen. Für mich ist es das leider nicht. Ich wünschte, ich könnte mich dann damit abfinden, vergessen, alles in Ordnung sein lassen. Geht aber nicht. Ich merk’s mir halt. Mich beschäftigt das weiterhin. Ich werde ihn morgen sehen, auf dieser beschissenen Silvesterparty, mit lauter unwichtigen Leuten, deren einziges Ziel ist, besoffen zu werden, die mich zulabern mit Quatsch, der mich eh nicht interessiert. Da werde ich ihn sehen, und vorher werde ich von ihm auch nichts mehr hören. Vielleicht ein paar Sätze bei ICQ, vielleicht fragt er, wie es mir geht, vielleicht sagt er wieder, dass ich blöd sei, vielleicht aber auch gar nichts.

Ich sollte vielleicht an Silvester einfach zuhause bleiben, dieses Fest ist einfach nicht mein Ding. Vor 3 Jahren hab ich den Abend damit verbracht, auf mein Handy zu starren, auf eine SMS oder einen Anruf zu warten, schließlich war ER ja verliebt in mich, ich war mir nicht sicher, ich wusste nicht, was ich will, aber ER hätte es alles viel einfacher gemacht, hätte er sich an diesem scheiß Abend nur kurz gemeldet. Er ist dann auf einmal für ein paar Tage weg gewesen, ich hab nicht gewusst, wohin, hab gemerkt, dass mich das alles doch nicht kalt lässt. Er war bei seiner Ex-Freundin, ficken, sonst nichts. Mich hat’s verletzt, auch wenn ich ihn irgendwie zurückgestoßen hab, mich hat’s verletzt. Zwei Monate später sind wir zusammengekommen. Vorletztes Jahr an Silvester haben wir uns gestritten. Er hat um kurz nach zwölf mit mir Schluss gemacht, mich stehen gelassen, gesagt, ich solle ihn in Ruhe lassen. Der Abend war zum Kotzen. Hätte mein Vater mich nicht abgeholt, wäre ich nicht nach Hause gekommen. Ich hab die ganze Nacht damit verbracht, mir die Augen auszuheulen und zu versuchen, ihn anzurufen. Ihm tat’s Leid, er hatte zu viel getrunken und er hat auch geheult. Wenn er heult, dann tut’s ihm Leid, dann meint er’s ernst, dann glaub ich ihm. Er heult nicht oft.

Letztes Jahr an Silvester waren wir schon nicht mehr zusammen. Im Oktober haben wir die Sache beendet, wir haben uns nur noch gestritten und es hätte uns beiden nichts mehr gebracht. Wir haben Silvester trotzdem zusammen verbracht, waren auf dem Ärzte Konzert, und das war gut. Das erste richtig gute Silvester in meinem Leben.

Morgen dann wieder Party. Ich hab da keine Lust drauf, besonders, wenn sie dabei ist, er hat’s mir nur beiläufig erzählt. Ich hätte so ja nichts dagegen. Aber es ist Silvester, und da ist so viel Scheiße passiert. Wir werden uns eh wieder streiten. Und er wird mich heulend irgendwo sitzen lassen.

Ich bin nicht mehr verliebt in ihn. Kann sein, dass ich dafür meine Zeit gebraucht habe, bis das alles vorbei war, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich das nicht mehr bin.

Er ist mir nur wichtig, sehr wichtig, als Freund, und manchmal frag ich mich, warum er das überhaupt noch ist.

Ich hab ihn am Mittwoch gefragt, ob er verliebt ist. Natürlich hat er ja gesagt. Ich hab gefragt, ob es besser sei, als mit mir. Er hat gesagt, dass er das nicht weiß, dass er das noch rausfinden muss, vielleicht sei es ja so. Es war blöd, so was zu fragen, das ist albern, besonders, weil ich so eine Antwort gar nicht hören wollte und jede andere Antwort wäre auch nicht besser gewesen. Vielleicht wird es besser, vielleicht halten die beiden es länger als ein Jahr und acht Monate miteinander aus, es würde mich ja auch freuen. Ich würde ja auch lieber jemanden finden, mit dem es besser wird. Jemand, mit dem es nicht erst so gut ist, dass man es kaum glaubt, und nach einiger Zeit herrscht dann nur noch Krieg.

Bei uns herrscht immer noch Krieg. Wir haben das irgendwie nie geschafft, so ganz zu beenden. Manchmal, da läuft es super, und ein anderes mal schlagen wir uns dann wieder die Köpfe ein.

Morgen ist Silvester, und das wird gut. Meinetwegen, das ist wahrscheinlich nicht mal mehr optimistisch, das ist wahrscheinlich eher unrealistisch, aber was soll’s. Das wird gut. Ich sollte endlich aufhören, den Tag zu verfluchen, und einfach versuchen, mit nem guten Gefühl daran zu gehen. Sollen die blöden Besoffskis mich doch zulabern und nerven, das kann ich auch. Ich werde belangloses Zeug reden, trinken, Spaß haben, nach Hause kommen, schlafen, ein neues Jahr beginnen. Besser als dieses, besser als letztes und noch viel besser als das davor.