Januar 27, 2008

Irgendwann wird das wirklich alles egal. Ich merk’s ja grad selber. Wozu soll ich weiterhin versuchen, was zu verstecken? Wenn es mir schlecht geht, warum sag ich das denn nicht einfach ganz klar? Neulich habe ich gelesen, dass wir jeden Tag mehrmals lügen, und die häufigste Lüge sei die Antwort auf die Frage „Wie geht es dir?“ – „Gut.“. Da hab ich mich selbst drin erkannt. Denn eigentlich immer, wenn ich diese Antwort gebe, stimmt es nicht. Geht es mir wirklich gut, dann zeige ich das auch. Aber wenn nicht, na ja, dann geht es mir halt „gut“. Muss ja niemand wissen. Bewahren wir lieber den Schein, dass alles grandios ist, das es dir natürlich IMMER gut geht. Aber das haben doch mittlerweile alle kapiert, das das nicht so ist. Warum sollte es denn auch? Warum versuchst du denn überhaupt, das zu vertuschen? Wozu denn? Du bist doch schließlich auch nur ein Mensch. Du bist nicht unverwundbar, du bist nicht unkaputtbar! Auch wenn du es gerne wärst. Aber wenn du so weitermachst, dann entfernst du dich immer weiter davon. Wenn du auch nur ein bisschen ehrlicher bist, ehrlicher zu anderen, ehrlicher zu dir selbst, dann kommst du näher dran, nicht andersrum.

Vielleicht habe ich durch Ehrlichkeit meinen besten Freund verloren, meine Ehrlichkeit hat sehr viel dazu beigetragen, noch viel mehr aber einfach seine Charakterschwäche. Trotzdem, gerade dadurch merke ich, wie wichtig Ehrlichkeit ist. Und dass ich noch viel weniger ein Blatt vor den Mund nehmen sollte, nur, um irgendwen nicht zu verletzen. Warum soll ich denn auch rücksichtsvoll sein, wenn andere es genauso wenig können? Ich muss gewisse Leute nicht mehr in Watte packen, das bringt mir nichts, das hab ich ja auch bei ihm gesehen, ich war zwar so ehrlich wie zu niemandem sonst, aber im Nachhinein hab ich ihm viel zu viel durchgehen lassen, mich viel zu oft verarschen lassen.

Ab jetzt wird viel mehr egal. Und ich nehme mich zurück. Ich hab keine Lust mehr, enttäuscht zu werden, egal von wem. Jetzt liegt es endlich mal an dir, nach 10 Jahren Arschaufreißerei meinerseits bist du jetzt dran. Ich denke, das ist nur mehr als fair. Nur leider sehe ich dich jetzt schon versagen. Schade. Aber jetzt liegt es nicht mehr an mir. Ich muss lernen, loszulassen, und das hat direkt zu Beginn des Jahres angefangen. Wahrscheinlich hat mir das, neben unglaublich viel Schmerz, Wut und Enttäuschung, eine Menge positives gebracht. Ich warte nur noch darauf, dass es sich zeigt.

Januar 9, 2008

Ich habe eine schreckliche Angewohnheit (ja, mit Sicherheit habe ich bei weitem mehr, als nur eine schreckliche Angewohnheit, aber würde ich jetzt alle in einem Eintrag durchkauen, wäre ich morgen noch nicht fertig): ich sehe jemanden, er gefällt mir. Das heißt nicht, dass ich ihn zum ersten Mal sehe und gleich unsterblich in ihn verliebt bin, an so etwas glaube ich nicht, aber ich sehe diesen jemanden, ich fange an, ihn ein wenig zu beobachten und merke, dass er mir gefällt. Seine Art, sein Aussehen, wie er redet und lacht. All das. Ich lerne ihn ein bisschen kennen, und verdammt, er hat auch noch einen wunderbaren Charakter. Und schon kann man nichts mehr für mich tun. Dann will ich ihn, dann will ich ihn richtig. Ich will ihn richtig kennen lernen, ihn küssen, mit ihm schlafen, mit ihm zusammen sein, das will ich. Das heißt nicht, dass ich gleich verliebt bin, dafür kenn ich diesen jemand ja noch viel zu wenig, aber verknallt, wenn man es so nennen will, verknallt bin ich. Und davon komm ich so schnell auch nicht mehr ab.

Ich weiß auch nicht genau, wo mein Problem liegt, warum ich nicht so richtig weiter komme, aber es ist immer dasselbe. Ich bin eigentlich jemand, der ohne Probleme neue Leute kennen lernt, auf sie zugeht, viel redet, nicht auf den Mund gefallen ist und in Gesprächen eigentlich nie das Gefühl hat, als hätte ich sehr schnell nichts mehr zu sagen (es sei denn, mein Gesprächspartner interessiert mich einfach überhaupt nicht). Aber sobald ich dann „verknallt“ bin, wird die ganze Sache um einiges schwerer. Das mit dem unterhalten, das klappt eigentlich ganz gut, aber bei diesem Typen…ich weiß nicht, wo das Problem ist. Wenn wir miteinander „chatten“, dann unterhalten wir uns wunderbar, aber wenn ich ihn in der Disco treffe, dann ist das irgendwie ganz schwer. Bis jetzt ist das 2 mal passiert. Beim ersten Mal gab es nicht mehr als ein kurzes „hallo“, beim zweiten mal dachte ich auch, dass es dabei bleibt, aber zum Schluss haben wir wenigstens noch ein paar Sätze gewechselt. Eine Freundin von mir sagt, dass er wahrscheinlich selbst nicht weiß, wie er auf mich zugehen soll, weil ich eigentlich nicht daran zweifel, dass er mich auch irgendwie mag. Das kann ja auch gut sein.

Das größte Problem ist einfach nur, dass ich mich schon irgendwie so auf ihn fixiert habe. Er ist toll, ich will ihn einfach haben. Würde ich mir nicht schon Luftschlösser bauen, dann würde es mir wahrscheinlich einfacher fallen, einfach hinzugehen, mich mit ihm zu unterhalten und einfach mal zu fragen, ob er nicht mal Lust hat, sich mit mir zu treffen. Was schlimmeres als ein „nein“ kann nicht kommen. Und wenn man sich alleine trifft, ist es irgendwie auch einfacher, sich zu unterhalten, als in der Disco.

Jedes mal, wenn ich ihn gesehen habe, oder wir miteinander geredet haben, könnte ich mit dem Kopf gegen die Wand laufen, weil ich wieder nichts getan habe. Und erstrecht, weil er mich schon ein mal quasi zu sich eingeladen hatte. Es war eher eine indirekte Einladung, aber hätte ich nicht schon etwas vor gehabt (das ich im Nachhinein tausend mal lieber abgesagt hätte), hätte ich zu ihm kommen können. Und zwei Tage später hat er mich gefragt, ob ich zu einem Konzert gehe, bei dem er auch ist. Ich war nicht da. Warum, das frag ich mich jetzt auch.

Ich fühl mich wie ein kleines Mädchen, das Probleme hat, die eigentlich überhaupt nicht sein müssten. Manchmal mach ich mir alles einfach viel zu schwer.

 Also bitte, lieber toller Typ, melde dich SOFORT bei mir und sag, dass du mich genauso willst wie ich dich, dann gäbs keine Probleme mehr.

anfang.

Dezember 29, 2007

Ich hab gar keine Lust, jetzt großartig hier rumzureden, von wegen, neuer blog und hurra hurra. Ich hab diesen Text hier grade geschrieben, ich war ziemlich fertig und das ganze hat mir zum Glück dabei geholfen, wenigstens für jetzt nicht mehr ganz so fertig zu sein. Ich will diesen Blog hier benutzen, um einfach mal alles schreiben zu können, was mir durch den Kopf geht, ohne, dass es alle lesen können, die mich kennen. Mehr weiß ich grad auch nicht, vielleicht kommt dazu noch irgendwann was, vielleicht auch nicht.

 

Es gibt nichts schlimmeres, als Langeweile. Und die verspüre ich im Moment im Überfluss. Ich hasse diese Ferien, mir wäre es sogar lieber, ich hätte wieder Schule. Ich würde tatsächlich lieber in die verhasste Schule gehen, die mir so großen Stress bereitet, dass ich nur noch krank und ausgelaugt bin, als Abend für Abend hier zu sitzen und mich einfach nur noch leer zu fühlen.

Ich habe heute 3 Stunden mit Freunden verbracht. Der „große“ Plan war eigentlich, einen Film zu gucken, zu trinken und danach noch in die Stadt zu fahren und zu feiern. Stattdessen habe ich erst mal eine halbe Stunde lang in der Kälte gestanden, bin wieder nach Hause gefahren, weil noch niemand da war, bin nach kurzer Zeit wieder los, um dann einen Film zu gucken, essen zu bestellen, mit anzusehen, wie die anderen einschlafen und nach zwei Stunden wieder nach Hause zu fahren. Und jetzt sitze ich hier, rufe meinen „besten Freund“ an, den ich eigentlich auch schon anrufen wollte, als ich auf den Bus gewartet habe, weil ich die dumme Idee hatte, er habe evtl. ein klein wenig Zeit und ich könne vorbeikommen. Das habe ich nicht getan. Dafür habe ich gerade ein sechsminütiges Gespräch mit ihm geführt, das mir gezeigt hat, dass auch nach diesem verschissenen Weihnachtsfest sich rein gar nichts geändert hat. Verändert hat sich schon etwas, aber das ist ja schon vorher passiert. Er hat ein Mädchen kennen gelernt, die ganze Sache ging unglaublich schnell, ich hab ja kaum was davon mitbekommen, nur, dass er irgendwann nicht mehr zu erreichen war und wenn, dann war er sehr kurz angebunden. Ich hab ihm gesagt, dass die Art und Weise, wie er mit mir umgeht in letzter Zeit nicht in Ordnung ist, ich hab ihm gesagt, dass ich diese Freundschaft so nicht länger will. Er hat gesagt, er würde das ändern. Das hat er am Mittwoch gesagt, da war ich bei ihm. Wir wollten den zweiten Weihnachtstag zusammen verbringen, Geschenke und der ganze Kram. Ich war ganze vier Stunden da. Wir haben uns beschenkt, das ging in ungefähr fünf Minuten über die Bühne. Dann haben wir einen Film geguckt und danach hat er mir ziemlich klar zu verstehen gegeben, dass er gelangweilt ist und mich loswerden will. Der einzige Grund, mich nach Hause zu bringen, war, dass er eh in die Richtung musste. Er ist dann noch zu seiner Freundin. Ich fand das ziemlich scheiße, denn schließlich hatten wir schon seit Wochen geplant, dass wir uns an dem Tag treffen und ich dachte, wir verbringen endlich noch mal etwas Zeit miteinander. War aber wirklich nur ETWAS Zeit. Ich hab darüber aber nichts gesagt, ich weiß, dass ich mich viel zu viel beschwere und ich hab ihm wahrscheinlich wirklich geglaubt, dass sich etwas verändert. Seitdem habe ich bis eben gar nichts mehr von ihm gehört. Ich hab ihn gestern zufällig kurz getroffen, er war natürlich auf dem Weg zu ihr und hatte keine Zeit. Ich hab ihm gesagt, er solle sich doch endlich mal wieder melden, mal wieder anrufen. Vor gar nicht all zu langer Zeit haben wir ständig stundenlang telefoniert. Wie gesagt, die Gespräche jetzt dauern, wenn ich Glück hab, fünf Minuten, fünf Minuten, in denen wir uns aber eh nur ankeifen.

Als ich eben an der Bushaltestelle saß, habe ich gedacht, dass ich ihn besser nicht anrufe, da er wahrscheinlich eh nicht zuhause ist. Ich habe aber auch gedacht, dass ich mich wirklich für ihn freue, und dass das mit uns auch schon klappt. Aber dann habe ich ihn gerade angerufen und er hat mir klar gemacht, dass er keine Zeit für mich  hat. Ich habe gesagt, er habe ja gar keine Zeit mehr für mich, aber wenn ich so was sage, tut er das nur als Scherz ab und sag Sachen wie „ja ja, dann hast du wohl Recht“. Ich glaube, er weiß gar nicht, wie er mich damit verletzt. Meine Reaktion sollte ihm das eigentlich zeigen, aber es scheint ihm scheißegal zu sein. Ja, es SCHEINT ihm scheißegal zu sein, er sagt, das sei es nicht, aber ich merke nichts anderes. Alles, was ich merke ist, dass ich wieder hier alleine sitze, meine Freunde keine Zeit haben (und wenn, dann ist das auch immer sehr schnell vorbei) und ich mich langweile und mich frage, warum ich nicht einfach mal auf meine Freunde scheiße. Die können das mit mir ja auch sehr gut. Aber so einfach geht das für mich einfach nicht. Ich bin halt jemand, dem Menschen ans Herz wachsen, dem Dinge nicht egal sind und den Dinge auch verletzen. Er weiß, dass ich ihn nicht einfach so abwimmeln würde, wenn er anruft. Als ich jemanden hier hatte und er hat morgens angerufen, habe ich trotzdem mit ihm geredet. Ich erzähl ihm ja auch jeden kleinen Scheiß, weil ich ihn an meinem verdammten Scheißleben teilhaben lassen will. Aber das will er wahrscheinlich gar nicht. Ich hab an seinem Leben ja auch nicht Teil. Alles, was ich wenigstens ab und zu höre, ist, dass es ihm gut geht, und ich versuche ihm zu erzählen, wie beschissen es mir geht, wie unglaublich beschissen alles ist und dass das alles doch nicht so weitergehen kann, ich erzähl ihm ja sogar, dass meine Mutter der Ansicht ist, ein Psychiater könnte mir vielleicht weiterhelfen – womit sie vielleicht auch nicht ganz unrecht hat – aber verdammt, er scheint überhaupt gar nicht zu verstehen, was los ist, er sitzt nur da, sagt „mhm“ und macht dumme Scherze, die ich nicht vertrage. Und das weiß er. Ich brauche doch einfach nur jemanden, der für mich da ist, er weiß, dass ich immer für ihn da bin, wenn er mich braucht, aber ich sitze hier und muss allein mit allem klar kommen.

Er verspricht Dinge, die er nicht hält, er hatte gesagt, ich könne am Mittwoch bei ihm schlafen, ich wollte Frühstück machen, das sei kein Problem, er müsse ja erst Donnerstag abend weg. Er hat mir auch versprochen, dass ich an Silvester bei ihm schlafen könne, ich habe ihn gefragt, weil ich nicht weiß, wie ich nach Hause kommen soll, und er hat’s mir versprochen. Das weiß er nicht mehr. Oder er weiß es noch, aber tut so, als wisse er es nicht, weil jetzt jemand anders da ist und alles, was vorher war, nicht mehr zählt. Ich kann gucken, was ich mache. Ich glaube, das einzige, was mir an Silvester übrig bleibt, ist mich alleine zu betrinken und zu gucken, wie ich nach Hause komme. Dort ist niemand, nicht die richtigen Leute und ich zweifel auch langsam daran, ob es die richtigen Leute überhaupt noch gibt. Ich wüsste nicht, wer das sein soll. Es gibt immer irgendetwas, das die Party vermiest, das meine Laune umkippen lässt und würde es die richtigen Leute geben, würde es auch einfach mal vollkommen gut sein, da wäre nichts, was das noch ruinieren kann, wenigstens für den einen Abend oder die eine Nacht.

Ich sollte lernen, einen Schlussstrich zu ziehen und mir nicht so vieles so sehr zu Herzen zu nehmen, aber ich hätte so viele Schlussstriche zu ziehen, dann bestünde fast nicht einmal mehr die Möglichkeit, noch ab und zu hier rauszukommen und ein wenig Spaß zu haben.

Ich bin es leid, mich auf Leute und Dinge zu verlassen und immer wieder enttäuscht zu werden. Es sollte einfach alles egal sein. Egal und sonst nichts. Und wenn es doch einmal gut ist, dann ok, aber wichtig ist das dann auch nicht.

Ich kann verstehen, wenn Dinge passieren, die alles irgendwie verändern, aber ich kann nicht verstehen, dass man durch manches einfach alles sich verändern lässt.

Ich habe ihm gesagt, dass ich Angst habe, es würde wieder nichts, es ist oft genug so gewesen, und oft genug hat er mich deswegen vernachlässigt, aber ich war auch danach immer für ihn da. Ich habe ihm gesagt, dass ich deswegen Angst habe, und diese Angst dreht sich um ihn, weil ich nicht will, dass er verletzt wird. Stattdessen verletzt er mich. Er sieht das gar nicht, für ihn gibt es nur sich und dass es ihm gut geht. Ob es mir schlecht geht, das kriegt er gar nicht mit, das ist Nebensache, wenn er aufgelegt hat, ist alles wieder gut. Vielleicht ist es anders, vielleicht macht er sich ja Gedanken und Sorgen um mich, aber das kommt nicht bei mir an.

Ich kriege Kopfschmerzen vom ständigen Weinen, ich schlag mir die Arme blau und beiß sie mir blutig, ich tobe wie verrückt, und dass nur, weil ich jemanden so unglaublich liebe und das nicht erwidert wird. Ich liebe ihn als Freund, aus vollem Herzen und ich würde alles für ihn tun, und das weiß er auch. Zumindest sollte er das. Ich versuche alles, um ihm das zu zeigen. Doch wenn ich das versuche, wird das nur als lästig empfunden. Ich bin ein Störfaktor, das hat er mal gesagt, er hat es zurückgenommen, es sei nicht ernstgemeint gewesen, aber ich glaube doch, dass es stimmt.

Ich bin gut, wenn grad nichts anderes ist, aber sonst bin ich ein Störfaktor. Es gibt wohl nichts erniedrigenderes und dümmeres, als sich so zu verhalten, wie ich es mache, aber ich kann einfach nicht anders, weil er mir wichtig ist. Diese Freundschaft ist mir wichtig und ich halte mich an den kleinen guten Momenten fest, ich klammere mich daran und es nützt mir doch nichts. Ich sollte sie einfach loslassen, vergessen, sie sollten egal und abgehakt werden.

Es kommen auch wieder solche guten Momente, aber wenn ich es so betrachte, ist es das jetzt wert? Das Ganze? Sie kommen schon, irgendwann, aber dafür  soll ich so leiden? Ich sollte nicht mehr darauf warten, ich sollte ihn hinter mir lassen. Es gibt genug Freunde, und es gibt genug Leute, die gute Freunde werden können, viel bessere womöglich. Also warum meine Zeit verschwenden? Es macht mich so müde und einfach nur fertig. Ich werde grausam und unglaublich hässlich und das ist alles, was er von mir sieht, dazu hat er mich gemacht, dazu habe ich mich gemacht. Würde er das lesen, würde er wahrscheinlich lachen. Er versteht es einfach nicht. Es ist ja alles nur ein schlechter Witz.

„Du rufst mich an, um zu sagen, dass dir langweilig ist, dafür hab ich keine Zeit, DAS IST DOCH NICHT MEIN PROBLEM!“ Stimmt, das ist ganz allein mein Problem. Ich dachte ja nur, vielleicht hast du ein wenig Zeit, vielleicht kannst du dich ein wenig um mich kümmern, vielleicht muss ich nicht ganz alleine mit dieser ganzen Scheißwelt fertig werden. Aber ich sollte aufhören zu denken. Denken passt da nicht rein, das bringt nur Ärger, es ist einfach keine Zeit da, die Zeit, die ich zu viel hab, hat er zu wenig. Die will er halt nicht haben. Die will er mir nicht geben. Nicht mal ein wenig. „Du rufst an und beschwerst dich, dass dir langweilig ist, du fragst ja nicht einmal, wie es mir geht!“ Warum denn auch? Dir geht es doch gut, das weiß ich, würde es anders sein, hätte ich schon längst wieder von dir gehört, dann hättest du plötzlich Zeit. Aber dass es mir schlecht geht, das weißt du, und ich höre nichts von dir. Wie es mir geht, das fragst du nicht. Wenn ich mich melde und frage, wieso ich nichts von dir höre, dann heißt es, ich solle mich doch selber melden. Ich habe ja Zeit im Überfluss, im Gegensatz zu dir. Und wenn du mal ein wenig hast, dann muss ich wissen, wann das ist, dann soll ICH mich melden.

Wenn das alles vorbei ist, die Schule und der ganze Driss, dann bin ich weg. Dann würd ich am liebsten ganz schnell abhauen, Koffer packen und weg. Einfach raus hier. Dahin, wo ich nicht mehr eingeengt bin, keine beschränkten Möglichkeiten mehr, nicht immer jeden Tag, jede Woche dasselbe. Ich weiß nicht einmal, ob ich euch überhaupt auf wiedersehen sagen würde. Ich würd wahrscheinlich einfach weg. Damit würde es anfangen. Damit würde alles egal. Einfach hinter mir lassen, weg schmeißen, egal machen. Neu anfangen, gesund werden, aufhören, zu weinen, weh zu tun, zu langweilen. „Schmeiß sie raus, diese Welt, die dich nur gefangen hält.“ Ich weiß genau, was damit gemeint ist, ich kann’s vollkommen nachempfinden. Das ist die Hölle. „Die Hölle, das sind die anderen.“ Auch das versteh ich. Zumindest macht man die anderen irgendwann zur Hölle, weil man sich selbst nicht mehr ertragen kann.

Ich will einfach nur noch singen und tanzen und es soll mir scheiß egal sein, was auch nur irgendein verdammter Mensch auf dieser Welt in diesem Moment von mir hält. Selbst wenn der noch so tollste Mensch vor mir stünde, ich würde einfach nur das machen können, was ich will, was mir gefällt, egal wie blöd ich dabei aussehe. Und er soll einfach mitmachen.

Das kann man mit Freunden machen. Die sagen, was sie denken, sind ehrlich zu dir, so ehrlich, wie es nur geht, aber die finden gut, was du machst, die unterstützen dich darin. Wenn du „ne Gardine“ trägst, und denen das selbst nicht gefällt, ist das ok, das können die ja auch sagen, aber dir gefällt’s und du fühlst dich gut, und damit bist du auch gut, wenn du das tust, was du willst und das von denen akzeptiert wird, denn nur dann sind die deine Freunde. Wenn die sagen „für mich wär’s nichts, aber dir geht’s gut damit und das ist gut so, anders will ich das gar nicht, das wärst ja nicht du!“.

Wenn ich kein Bier will, dann will ich grad halt kein Bier, dann bin ich doch nicht blöde, langweilig oder ne Spielverderberin. Dann hab ich trotzdem meinen Spaß, solang es Leute gibt, die mir Grund dazu geben.

Vor einiger Zeit, das ist nur ein bisschen mehr her, als einen Monat, hat mich jemand so fasziniert, dass ich mein Leben verändern wollte. Ich hab den gesehen, schon so oft, aber das eine mal, da hab ich das erst so richtig kapiert. Der hat einfach eine unglaubliche Energie, der macht immer den Eindruck, unglaublich zufrieden mit allem, mit seinem Leben zu sein. Der steht da oben, der stand schon immer da oben, auch, als der noch ganz unten stand, und hat seine Lieder gesungen, aus vollem Hals geschrieen, gelacht und die Welt war für den einfach immer in Ordnung. Ich hab da ziemlich lang drüber nachgedacht. Ich hab überlegt, was denn glücklich sein überhaupt heißt. Für mich stand fest, dass ich nicht glücklich bin. Ich bin’s einfach nicht, ich fühle kein Glück, ich verspüre das einfach nicht. Aber in diesem Moment, da hab ich Glück verspürt. Und da war ich halt glücklich. Und ich hab mir gewünscht, immer so glücklich zu sein, wie er und wie ich in diesem Moment. Und ich hab mir vorgenommen, einfach von da an glücklich zu sein. Weil das Leben doch eigentlich gut ist. Was hast du denn davon, wenn du dich runterziehen lässt? Was bringt dir das denn? Ich mein, ein Leben ist doch erst wirklich was wert, wenn man richtig gelebt hat. Und für mich hat man das, wenn man glücklich ist. Meine Oma hat mich dauernd gefragt, was der Sinn des Lebens für mich ist. Ich wusste das da nicht, ich hab mir Gedanken drüber gemacht, das aber nie wirklich verstanden. Sie glaub ich auch nicht. Ich hoffe, sie hat es irgendwann verstanden, ich wünsche es mir sehr. Und ich wünsche, dass es für sie diesen Sinn auch gegeben hat. Dass sie glücklich war. Nicht immer, bestimmt nicht, dass kann keiner. Aber irgendwann. Und dass sie das nie vergessen hat und sich immer daran erinnert hat. Das ist doch das wesentliche. Zu wissen, dass man das kann. Glücklich sein ist nicht unbedingt abhängig vom „Schicksal“ oder wovon auch immer. Das kommt auf dich an. Auf das, was du erlebt hast, aus dem, was du aus all dem machst. Ich will glücklich sein. Das hab ich mir damals vorgenommen. Ich wollte jeden Tag als gut ansehen. Einfach jeden. Dann passiert wahrscheinlich auch nicht so schnell etwas, dass dich runterzieht. Irgendwie hat’s nicht geklappt.

Meine Mutter hat irgendwann mal zu mir gesagt, dass ich viel zu viel Unglück habe und dass es so ungerecht sei, dass mir dauernd irgendeine Scheiße passiert. Ich weiß, dass sie das gesagt hat, weil ich ihr leid tat und weil sie nichts mehr will, als das zu ändern. Aber ich glaube, indem sie das gesagt hat, ist mir das erst so richtig bewusst geworden. Da hat sich irgendwas verändert und ich hab angefangen, dran zu glauben, dass Glücklichsein und ich nicht zusammenpassen. Sobald man anfängt, so was zu glauben, wird alles nur noch viel schlimmer. Und irgendwann weiß man die guten Momente, die, in denen man glücklich ist, gar nicht mehr so zu schätzen. Die gehen halt vorbei.

Diese Einstellung muss ich halt ablegen. Das ist Gift für mich. Genauso wie Langeweile und Streit Gift für mich sind. Das tut mir nicht gut, ich gehe wortwörtlich ein. Und sehe Gespenster, fühle mich ungerecht behandelt. Selbst wenn es so ist, es ist wahrscheinlich gar nicht so schlimm, wie ich das sehe.

Wahrscheinlich stimmt es, und ich sollte das alles mal einem Psychiater erzählen. All das, was ich grad geschrieben hat. Aber dann würde das für mich keinen Sinn mehr ergeben. Ich hab die Antwort doch schon, wie ich das alles ändern soll, wie ich mich ändern soll. Ich brauche da niemanden, der mit mir über meine Kindheit spricht, um mein Problem zu erörtern. Sicherlich, meine Kindheit hätte schöner sein können, meine Jugend noch umso mehr und dann kamen halt die letzten Jahre, aber was bringt mir das, dass alles noch mal aufzuwühlen? Ich will das hinter mir lassen. Ich will nicht länger meine Zeit verschwenden. Ich weiß doch, wo das Problem liegt. Und da kann mir keiner helfen, ich könnte nur ein wenig Unterstützung gebrauchen. Von einem Freund. Einem richtigen Freund. Und bestimmt nicht von irgendjemand Fremden, der meinen Problemen auf den Grund gehen will.