Dezember 31, 2007

verdammt, eben verfluch ich noch die ganze jahresendsgeschichte und veränderungsscheiß und was weiß ich alles und denke, mir würde das völlig am arsch vorbeigehen, und jetzt sitze ich hier, werd melancholisch, fang mal wieder fast an, zu heulen, und weiß irgendwie, dass alles GANZ anders sein wird. und dass ich das eigentlich gut finde.

und trotzdem hab ich angst.

Ich will jetzt schon betrunken sein. Betrunken sein ist absolut scheiße und ich kann das gar nicht leiden, aber jetzt hätte ich das sehr gerne. Und Silvester ist so der einzige Tag im Jahr, an dem ich mit 100%iger Sicherheit behaupten kann, dass ich abends betrunken sein werde.

Ich find das eigentlich ziemlich albern, dass das Ende des Jahres bzw. der Anfang des neuen immer krampfhaft dazu genutzt wird, sich richtig den Kopf zuzukippen, bis man nicht mehr stehen kann. Ich  mein, was ist das denn für ein „Anfang“? Du wachst mit nem ordentlichen Kater auf, womöglich in deiner eigenen Kotze (ist mir noch nie passiert, wird mir auch nie passieren, wage ich jetzt mal zu behaupten, aber ich kenne genug Leute, denen so was immer und immer wieder passiert. Ein Freund von mir ist einmal morgens aufgewacht und hatte die gesamte Wand vollgekotzt, hallelujah!). Ich mach mir jetzt nicht viel aus Jahresanfängen oder –enden, geht ja trotzdem alles irgendwie so weiter und um Punkt 12 Uhr verändert sich ja nicht alles. Aber trotzdem will ich das gerne mitbekommen. Wie gesagt, betrunken sein, gut und gerne, wahrscheinlich halte ich das ganze sonst auch nicht aus, aus sturzbesoffen in der Ecke liegen? Nein danke!

Ich seh das ähnlich wie die Sache mit den Konzerten. Es gibt ne Menge Leute, die gehen auf Konzerte oder Festivals, um sich ordentlich zu besaufen und zuzudröhnen. Ich find das albern. Ich bezahl doch nicht viel Geld, oder auch wenig, ganz egal, um nen Rausch zu haben, und von der eigentlichen Sache gar nicht alles mitzubekommen. Dann doch lieber an Silvester.

Was ich eigentlich damit sagen will, ist: ich werd mich betrinken, ja, und ich werd  mich wahrscheinlich auch noch super asi verhalten und Dinge tun, die ich so wahrscheinlich nicht tun würde…ach nee, das ist ja so, dass man Dinge tut, die man grundsätzlich schon tun würde, man sie aber viel eher im betrunkenen Zustand tut, einfach, weil die Hemmschwelle sinkt. Also, ich werd halt meine Hemmschwelle sinken lassen. Und wenn mir irgendwer blöd kommt, kriegt er aufs Maul. Das ist mein Vorsatz für Silvester, vielleicht auch für’s neue Jahr.

Um mal bei guten Vorsätzen zu bleiben: ich find so was doof. Ich werd  mir jetzt sicherlich nicht vornehmen, ab nächstem Jahr nicht mehr zu rauchen. Erst mal ist das langweilig, das macht doch jeder und schafft es dann nicht. Aber da liegt nicht mein Problem, schaffen würd ich das locker. In der Woche rauche ich so gut wie nie, ab und zu mal auf dem Nachhauseweg, egal von wo, wenn mir danach ist (passiert aber immer seltener, weil ich es mir finanziell nicht oft erlauben kann), ich bin eigentlich ein „Partyraucher“, wenn man das so nennen will. Als ich vor 4 Jahren, oder wann das war, angefangen hab, hat sich die Raucherei wirklich nur auf Parties beschränkt, und dann auch wirklich nur auf die, die in Discos stattfanden, weil meine Freunde damals wohl Angst vor Rauchern hatten oder so (ich glaub, diese Leute haben das auch immer noch). Ich hab mir zu dieser Zeit auch äußerst selten selber Zigaretten gekauft, meistens hat sich doch irgendwer gefunden, der mir die ein oder andere abgegeben hat (solche Leute kann ich heute übrigens nicht leiden, ich armes Kind hab nur noch die paar Zigaretten und irgendsoein Schnorrer, der meistens auch fast doppelt so alt ist, wie ich, lässt mich deswegen den ganzen Abend nicht in Ruhe). Irgendwann hab ich dann mal was „richtiger“ angefangen, hab meine Mutter gesagt, dass ich rauche, und dass sie da auch nix gegen tun kann. Hat sie ja auch nicht. Das hat sich dann alles gesteigert, mittlerweile habe ich die Tabakindustrie sicher ein Stückchen reicher gemacht und wenn ich Lust drauf hab, dann rauche ich einfach. Die Packung Zigaretten in meiner Tasche brauche ich auch einfach. Das gibt mir ein gutes Gefühl, selbst wenn ich sie nur spazieren trage. Na ja, wenigstens kann ich behaupten, absolut nicht abhängig zu sein, ich kann für Tage, oder auch für Wochen einfach mal nicht rauchen und dann stört es mich auch überhaupt nicht, wenn um mich herum geraucht wird. Also warum mir vornehmen, es sein zu lassen? Sollte ich kurz vor dem Ruin stehen und nicht mal mehr zwei Cent in der Tasche haben,  dann kann ich die Sache ja noch mal überdenken.

Andere Vorsätze hab ich auch nicht wirklich, ich nehm mir schon einiges vor, das ist aber immer unabhängig von Uhrzeit oder Datum. In diesem Jahr hab ich z.B. gelernt, dass man die Finger von vergebenen Männern lassen sollte, oder eher von zu viel Alkohol, der ja zu solchen Dingen führt (ach nee, war ja die Hemmschwelle), aber vorgenommen, so was nie wieder zu tun, habe ich mir schon vor nem halben Jahr, und ich denk, dass das auch nicht mehr passiert.

Zumindest, um es noch mal auf den Punkt zu bringen: ich wird mich heute betrinken und Asi sein, und wenn mich jemand um ne Zigarette anschnorrt, wird die ganze Asisache noch übler. Oder so.

In dem Sinne, guten Rutsch!

ende.

Dezember 30, 2007

Morgen ist Silvester, dann ist dieses Jahr endlich zuende. Ob’s wirklich ein Scheißjahr war, kann ich gar nicht genau sagen, weil das letzte nicht besser, wahrscheinlich sogar schlechter war.

Er hat sich gestern noch gemeldet, wollte alles irgendwie wieder gut machen, damit es keinen weiteren Ärger gibt. Er macht das aber auf seine Weise; er ruft nicht an, sagt nicht, dass es ihm leid tut – das sagt er nur, wenn man ihn darum bittet – er schreibt nur zwei, drei Sätze bei ICQ, schreibt, dass er jetzt weg ist, was er tut, wünscht eine gute Nacht und will, dass alles in Ordnung ist. Das scheint alles sehr einfach zu laufen. Für mich ist es das leider nicht. Ich wünschte, ich könnte mich dann damit abfinden, vergessen, alles in Ordnung sein lassen. Geht aber nicht. Ich merk’s mir halt. Mich beschäftigt das weiterhin. Ich werde ihn morgen sehen, auf dieser beschissenen Silvesterparty, mit lauter unwichtigen Leuten, deren einziges Ziel ist, besoffen zu werden, die mich zulabern mit Quatsch, der mich eh nicht interessiert. Da werde ich ihn sehen, und vorher werde ich von ihm auch nichts mehr hören. Vielleicht ein paar Sätze bei ICQ, vielleicht fragt er, wie es mir geht, vielleicht sagt er wieder, dass ich blöd sei, vielleicht aber auch gar nichts.

Ich sollte vielleicht an Silvester einfach zuhause bleiben, dieses Fest ist einfach nicht mein Ding. Vor 3 Jahren hab ich den Abend damit verbracht, auf mein Handy zu starren, auf eine SMS oder einen Anruf zu warten, schließlich war ER ja verliebt in mich, ich war mir nicht sicher, ich wusste nicht, was ich will, aber ER hätte es alles viel einfacher gemacht, hätte er sich an diesem scheiß Abend nur kurz gemeldet. Er ist dann auf einmal für ein paar Tage weg gewesen, ich hab nicht gewusst, wohin, hab gemerkt, dass mich das alles doch nicht kalt lässt. Er war bei seiner Ex-Freundin, ficken, sonst nichts. Mich hat’s verletzt, auch wenn ich ihn irgendwie zurückgestoßen hab, mich hat’s verletzt. Zwei Monate später sind wir zusammengekommen. Vorletztes Jahr an Silvester haben wir uns gestritten. Er hat um kurz nach zwölf mit mir Schluss gemacht, mich stehen gelassen, gesagt, ich solle ihn in Ruhe lassen. Der Abend war zum Kotzen. Hätte mein Vater mich nicht abgeholt, wäre ich nicht nach Hause gekommen. Ich hab die ganze Nacht damit verbracht, mir die Augen auszuheulen und zu versuchen, ihn anzurufen. Ihm tat’s Leid, er hatte zu viel getrunken und er hat auch geheult. Wenn er heult, dann tut’s ihm Leid, dann meint er’s ernst, dann glaub ich ihm. Er heult nicht oft.

Letztes Jahr an Silvester waren wir schon nicht mehr zusammen. Im Oktober haben wir die Sache beendet, wir haben uns nur noch gestritten und es hätte uns beiden nichts mehr gebracht. Wir haben Silvester trotzdem zusammen verbracht, waren auf dem Ärzte Konzert, und das war gut. Das erste richtig gute Silvester in meinem Leben.

Morgen dann wieder Party. Ich hab da keine Lust drauf, besonders, wenn sie dabei ist, er hat’s mir nur beiläufig erzählt. Ich hätte so ja nichts dagegen. Aber es ist Silvester, und da ist so viel Scheiße passiert. Wir werden uns eh wieder streiten. Und er wird mich heulend irgendwo sitzen lassen.

Ich bin nicht mehr verliebt in ihn. Kann sein, dass ich dafür meine Zeit gebraucht habe, bis das alles vorbei war, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich das nicht mehr bin.

Er ist mir nur wichtig, sehr wichtig, als Freund, und manchmal frag ich mich, warum er das überhaupt noch ist.

Ich hab ihn am Mittwoch gefragt, ob er verliebt ist. Natürlich hat er ja gesagt. Ich hab gefragt, ob es besser sei, als mit mir. Er hat gesagt, dass er das nicht weiß, dass er das noch rausfinden muss, vielleicht sei es ja so. Es war blöd, so was zu fragen, das ist albern, besonders, weil ich so eine Antwort gar nicht hören wollte und jede andere Antwort wäre auch nicht besser gewesen. Vielleicht wird es besser, vielleicht halten die beiden es länger als ein Jahr und acht Monate miteinander aus, es würde mich ja auch freuen. Ich würde ja auch lieber jemanden finden, mit dem es besser wird. Jemand, mit dem es nicht erst so gut ist, dass man es kaum glaubt, und nach einiger Zeit herrscht dann nur noch Krieg.

Bei uns herrscht immer noch Krieg. Wir haben das irgendwie nie geschafft, so ganz zu beenden. Manchmal, da läuft es super, und ein anderes mal schlagen wir uns dann wieder die Köpfe ein.

Morgen ist Silvester, und das wird gut. Meinetwegen, das ist wahrscheinlich nicht mal mehr optimistisch, das ist wahrscheinlich eher unrealistisch, aber was soll’s. Das wird gut. Ich sollte endlich aufhören, den Tag zu verfluchen, und einfach versuchen, mit nem guten Gefühl daran zu gehen. Sollen die blöden Besoffskis mich doch zulabern und nerven, das kann ich auch. Ich werde belangloses Zeug reden, trinken, Spaß haben, nach Hause kommen, schlafen, ein neues Jahr beginnen. Besser als dieses, besser als letztes und noch viel besser als das davor.

anfang.

Dezember 29, 2007

Ich hab gar keine Lust, jetzt großartig hier rumzureden, von wegen, neuer blog und hurra hurra. Ich hab diesen Text hier grade geschrieben, ich war ziemlich fertig und das ganze hat mir zum Glück dabei geholfen, wenigstens für jetzt nicht mehr ganz so fertig zu sein. Ich will diesen Blog hier benutzen, um einfach mal alles schreiben zu können, was mir durch den Kopf geht, ohne, dass es alle lesen können, die mich kennen. Mehr weiß ich grad auch nicht, vielleicht kommt dazu noch irgendwann was, vielleicht auch nicht.

 

Es gibt nichts schlimmeres, als Langeweile. Und die verspüre ich im Moment im Überfluss. Ich hasse diese Ferien, mir wäre es sogar lieber, ich hätte wieder Schule. Ich würde tatsächlich lieber in die verhasste Schule gehen, die mir so großen Stress bereitet, dass ich nur noch krank und ausgelaugt bin, als Abend für Abend hier zu sitzen und mich einfach nur noch leer zu fühlen.

Ich habe heute 3 Stunden mit Freunden verbracht. Der „große“ Plan war eigentlich, einen Film zu gucken, zu trinken und danach noch in die Stadt zu fahren und zu feiern. Stattdessen habe ich erst mal eine halbe Stunde lang in der Kälte gestanden, bin wieder nach Hause gefahren, weil noch niemand da war, bin nach kurzer Zeit wieder los, um dann einen Film zu gucken, essen zu bestellen, mit anzusehen, wie die anderen einschlafen und nach zwei Stunden wieder nach Hause zu fahren. Und jetzt sitze ich hier, rufe meinen „besten Freund“ an, den ich eigentlich auch schon anrufen wollte, als ich auf den Bus gewartet habe, weil ich die dumme Idee hatte, er habe evtl. ein klein wenig Zeit und ich könne vorbeikommen. Das habe ich nicht getan. Dafür habe ich gerade ein sechsminütiges Gespräch mit ihm geführt, das mir gezeigt hat, dass auch nach diesem verschissenen Weihnachtsfest sich rein gar nichts geändert hat. Verändert hat sich schon etwas, aber das ist ja schon vorher passiert. Er hat ein Mädchen kennen gelernt, die ganze Sache ging unglaublich schnell, ich hab ja kaum was davon mitbekommen, nur, dass er irgendwann nicht mehr zu erreichen war und wenn, dann war er sehr kurz angebunden. Ich hab ihm gesagt, dass die Art und Weise, wie er mit mir umgeht in letzter Zeit nicht in Ordnung ist, ich hab ihm gesagt, dass ich diese Freundschaft so nicht länger will. Er hat gesagt, er würde das ändern. Das hat er am Mittwoch gesagt, da war ich bei ihm. Wir wollten den zweiten Weihnachtstag zusammen verbringen, Geschenke und der ganze Kram. Ich war ganze vier Stunden da. Wir haben uns beschenkt, das ging in ungefähr fünf Minuten über die Bühne. Dann haben wir einen Film geguckt und danach hat er mir ziemlich klar zu verstehen gegeben, dass er gelangweilt ist und mich loswerden will. Der einzige Grund, mich nach Hause zu bringen, war, dass er eh in die Richtung musste. Er ist dann noch zu seiner Freundin. Ich fand das ziemlich scheiße, denn schließlich hatten wir schon seit Wochen geplant, dass wir uns an dem Tag treffen und ich dachte, wir verbringen endlich noch mal etwas Zeit miteinander. War aber wirklich nur ETWAS Zeit. Ich hab darüber aber nichts gesagt, ich weiß, dass ich mich viel zu viel beschwere und ich hab ihm wahrscheinlich wirklich geglaubt, dass sich etwas verändert. Seitdem habe ich bis eben gar nichts mehr von ihm gehört. Ich hab ihn gestern zufällig kurz getroffen, er war natürlich auf dem Weg zu ihr und hatte keine Zeit. Ich hab ihm gesagt, er solle sich doch endlich mal wieder melden, mal wieder anrufen. Vor gar nicht all zu langer Zeit haben wir ständig stundenlang telefoniert. Wie gesagt, die Gespräche jetzt dauern, wenn ich Glück hab, fünf Minuten, fünf Minuten, in denen wir uns aber eh nur ankeifen.

Als ich eben an der Bushaltestelle saß, habe ich gedacht, dass ich ihn besser nicht anrufe, da er wahrscheinlich eh nicht zuhause ist. Ich habe aber auch gedacht, dass ich mich wirklich für ihn freue, und dass das mit uns auch schon klappt. Aber dann habe ich ihn gerade angerufen und er hat mir klar gemacht, dass er keine Zeit für mich  hat. Ich habe gesagt, er habe ja gar keine Zeit mehr für mich, aber wenn ich so was sage, tut er das nur als Scherz ab und sag Sachen wie „ja ja, dann hast du wohl Recht“. Ich glaube, er weiß gar nicht, wie er mich damit verletzt. Meine Reaktion sollte ihm das eigentlich zeigen, aber es scheint ihm scheißegal zu sein. Ja, es SCHEINT ihm scheißegal zu sein, er sagt, das sei es nicht, aber ich merke nichts anderes. Alles, was ich merke ist, dass ich wieder hier alleine sitze, meine Freunde keine Zeit haben (und wenn, dann ist das auch immer sehr schnell vorbei) und ich mich langweile und mich frage, warum ich nicht einfach mal auf meine Freunde scheiße. Die können das mit mir ja auch sehr gut. Aber so einfach geht das für mich einfach nicht. Ich bin halt jemand, dem Menschen ans Herz wachsen, dem Dinge nicht egal sind und den Dinge auch verletzen. Er weiß, dass ich ihn nicht einfach so abwimmeln würde, wenn er anruft. Als ich jemanden hier hatte und er hat morgens angerufen, habe ich trotzdem mit ihm geredet. Ich erzähl ihm ja auch jeden kleinen Scheiß, weil ich ihn an meinem verdammten Scheißleben teilhaben lassen will. Aber das will er wahrscheinlich gar nicht. Ich hab an seinem Leben ja auch nicht Teil. Alles, was ich wenigstens ab und zu höre, ist, dass es ihm gut geht, und ich versuche ihm zu erzählen, wie beschissen es mir geht, wie unglaublich beschissen alles ist und dass das alles doch nicht so weitergehen kann, ich erzähl ihm ja sogar, dass meine Mutter der Ansicht ist, ein Psychiater könnte mir vielleicht weiterhelfen – womit sie vielleicht auch nicht ganz unrecht hat – aber verdammt, er scheint überhaupt gar nicht zu verstehen, was los ist, er sitzt nur da, sagt „mhm“ und macht dumme Scherze, die ich nicht vertrage. Und das weiß er. Ich brauche doch einfach nur jemanden, der für mich da ist, er weiß, dass ich immer für ihn da bin, wenn er mich braucht, aber ich sitze hier und muss allein mit allem klar kommen.

Er verspricht Dinge, die er nicht hält, er hatte gesagt, ich könne am Mittwoch bei ihm schlafen, ich wollte Frühstück machen, das sei kein Problem, er müsse ja erst Donnerstag abend weg. Er hat mir auch versprochen, dass ich an Silvester bei ihm schlafen könne, ich habe ihn gefragt, weil ich nicht weiß, wie ich nach Hause kommen soll, und er hat’s mir versprochen. Das weiß er nicht mehr. Oder er weiß es noch, aber tut so, als wisse er es nicht, weil jetzt jemand anders da ist und alles, was vorher war, nicht mehr zählt. Ich kann gucken, was ich mache. Ich glaube, das einzige, was mir an Silvester übrig bleibt, ist mich alleine zu betrinken und zu gucken, wie ich nach Hause komme. Dort ist niemand, nicht die richtigen Leute und ich zweifel auch langsam daran, ob es die richtigen Leute überhaupt noch gibt. Ich wüsste nicht, wer das sein soll. Es gibt immer irgendetwas, das die Party vermiest, das meine Laune umkippen lässt und würde es die richtigen Leute geben, würde es auch einfach mal vollkommen gut sein, da wäre nichts, was das noch ruinieren kann, wenigstens für den einen Abend oder die eine Nacht.

Ich sollte lernen, einen Schlussstrich zu ziehen und mir nicht so vieles so sehr zu Herzen zu nehmen, aber ich hätte so viele Schlussstriche zu ziehen, dann bestünde fast nicht einmal mehr die Möglichkeit, noch ab und zu hier rauszukommen und ein wenig Spaß zu haben.

Ich bin es leid, mich auf Leute und Dinge zu verlassen und immer wieder enttäuscht zu werden. Es sollte einfach alles egal sein. Egal und sonst nichts. Und wenn es doch einmal gut ist, dann ok, aber wichtig ist das dann auch nicht.

Ich kann verstehen, wenn Dinge passieren, die alles irgendwie verändern, aber ich kann nicht verstehen, dass man durch manches einfach alles sich verändern lässt.

Ich habe ihm gesagt, dass ich Angst habe, es würde wieder nichts, es ist oft genug so gewesen, und oft genug hat er mich deswegen vernachlässigt, aber ich war auch danach immer für ihn da. Ich habe ihm gesagt, dass ich deswegen Angst habe, und diese Angst dreht sich um ihn, weil ich nicht will, dass er verletzt wird. Stattdessen verletzt er mich. Er sieht das gar nicht, für ihn gibt es nur sich und dass es ihm gut geht. Ob es mir schlecht geht, das kriegt er gar nicht mit, das ist Nebensache, wenn er aufgelegt hat, ist alles wieder gut. Vielleicht ist es anders, vielleicht macht er sich ja Gedanken und Sorgen um mich, aber das kommt nicht bei mir an.

Ich kriege Kopfschmerzen vom ständigen Weinen, ich schlag mir die Arme blau und beiß sie mir blutig, ich tobe wie verrückt, und dass nur, weil ich jemanden so unglaublich liebe und das nicht erwidert wird. Ich liebe ihn als Freund, aus vollem Herzen und ich würde alles für ihn tun, und das weiß er auch. Zumindest sollte er das. Ich versuche alles, um ihm das zu zeigen. Doch wenn ich das versuche, wird das nur als lästig empfunden. Ich bin ein Störfaktor, das hat er mal gesagt, er hat es zurückgenommen, es sei nicht ernstgemeint gewesen, aber ich glaube doch, dass es stimmt.

Ich bin gut, wenn grad nichts anderes ist, aber sonst bin ich ein Störfaktor. Es gibt wohl nichts erniedrigenderes und dümmeres, als sich so zu verhalten, wie ich es mache, aber ich kann einfach nicht anders, weil er mir wichtig ist. Diese Freundschaft ist mir wichtig und ich halte mich an den kleinen guten Momenten fest, ich klammere mich daran und es nützt mir doch nichts. Ich sollte sie einfach loslassen, vergessen, sie sollten egal und abgehakt werden.

Es kommen auch wieder solche guten Momente, aber wenn ich es so betrachte, ist es das jetzt wert? Das Ganze? Sie kommen schon, irgendwann, aber dafür  soll ich so leiden? Ich sollte nicht mehr darauf warten, ich sollte ihn hinter mir lassen. Es gibt genug Freunde, und es gibt genug Leute, die gute Freunde werden können, viel bessere womöglich. Also warum meine Zeit verschwenden? Es macht mich so müde und einfach nur fertig. Ich werde grausam und unglaublich hässlich und das ist alles, was er von mir sieht, dazu hat er mich gemacht, dazu habe ich mich gemacht. Würde er das lesen, würde er wahrscheinlich lachen. Er versteht es einfach nicht. Es ist ja alles nur ein schlechter Witz.

„Du rufst mich an, um zu sagen, dass dir langweilig ist, dafür hab ich keine Zeit, DAS IST DOCH NICHT MEIN PROBLEM!“ Stimmt, das ist ganz allein mein Problem. Ich dachte ja nur, vielleicht hast du ein wenig Zeit, vielleicht kannst du dich ein wenig um mich kümmern, vielleicht muss ich nicht ganz alleine mit dieser ganzen Scheißwelt fertig werden. Aber ich sollte aufhören zu denken. Denken passt da nicht rein, das bringt nur Ärger, es ist einfach keine Zeit da, die Zeit, die ich zu viel hab, hat er zu wenig. Die will er halt nicht haben. Die will er mir nicht geben. Nicht mal ein wenig. „Du rufst an und beschwerst dich, dass dir langweilig ist, du fragst ja nicht einmal, wie es mir geht!“ Warum denn auch? Dir geht es doch gut, das weiß ich, würde es anders sein, hätte ich schon längst wieder von dir gehört, dann hättest du plötzlich Zeit. Aber dass es mir schlecht geht, das weißt du, und ich höre nichts von dir. Wie es mir geht, das fragst du nicht. Wenn ich mich melde und frage, wieso ich nichts von dir höre, dann heißt es, ich solle mich doch selber melden. Ich habe ja Zeit im Überfluss, im Gegensatz zu dir. Und wenn du mal ein wenig hast, dann muss ich wissen, wann das ist, dann soll ICH mich melden.

Wenn das alles vorbei ist, die Schule und der ganze Driss, dann bin ich weg. Dann würd ich am liebsten ganz schnell abhauen, Koffer packen und weg. Einfach raus hier. Dahin, wo ich nicht mehr eingeengt bin, keine beschränkten Möglichkeiten mehr, nicht immer jeden Tag, jede Woche dasselbe. Ich weiß nicht einmal, ob ich euch überhaupt auf wiedersehen sagen würde. Ich würd wahrscheinlich einfach weg. Damit würde es anfangen. Damit würde alles egal. Einfach hinter mir lassen, weg schmeißen, egal machen. Neu anfangen, gesund werden, aufhören, zu weinen, weh zu tun, zu langweilen. „Schmeiß sie raus, diese Welt, die dich nur gefangen hält.“ Ich weiß genau, was damit gemeint ist, ich kann’s vollkommen nachempfinden. Das ist die Hölle. „Die Hölle, das sind die anderen.“ Auch das versteh ich. Zumindest macht man die anderen irgendwann zur Hölle, weil man sich selbst nicht mehr ertragen kann.

Ich will einfach nur noch singen und tanzen und es soll mir scheiß egal sein, was auch nur irgendein verdammter Mensch auf dieser Welt in diesem Moment von mir hält. Selbst wenn der noch so tollste Mensch vor mir stünde, ich würde einfach nur das machen können, was ich will, was mir gefällt, egal wie blöd ich dabei aussehe. Und er soll einfach mitmachen.

Das kann man mit Freunden machen. Die sagen, was sie denken, sind ehrlich zu dir, so ehrlich, wie es nur geht, aber die finden gut, was du machst, die unterstützen dich darin. Wenn du „ne Gardine“ trägst, und denen das selbst nicht gefällt, ist das ok, das können die ja auch sagen, aber dir gefällt’s und du fühlst dich gut, und damit bist du auch gut, wenn du das tust, was du willst und das von denen akzeptiert wird, denn nur dann sind die deine Freunde. Wenn die sagen „für mich wär’s nichts, aber dir geht’s gut damit und das ist gut so, anders will ich das gar nicht, das wärst ja nicht du!“.

Wenn ich kein Bier will, dann will ich grad halt kein Bier, dann bin ich doch nicht blöde, langweilig oder ne Spielverderberin. Dann hab ich trotzdem meinen Spaß, solang es Leute gibt, die mir Grund dazu geben.

Vor einiger Zeit, das ist nur ein bisschen mehr her, als einen Monat, hat mich jemand so fasziniert, dass ich mein Leben verändern wollte. Ich hab den gesehen, schon so oft, aber das eine mal, da hab ich das erst so richtig kapiert. Der hat einfach eine unglaubliche Energie, der macht immer den Eindruck, unglaublich zufrieden mit allem, mit seinem Leben zu sein. Der steht da oben, der stand schon immer da oben, auch, als der noch ganz unten stand, und hat seine Lieder gesungen, aus vollem Hals geschrieen, gelacht und die Welt war für den einfach immer in Ordnung. Ich hab da ziemlich lang drüber nachgedacht. Ich hab überlegt, was denn glücklich sein überhaupt heißt. Für mich stand fest, dass ich nicht glücklich bin. Ich bin’s einfach nicht, ich fühle kein Glück, ich verspüre das einfach nicht. Aber in diesem Moment, da hab ich Glück verspürt. Und da war ich halt glücklich. Und ich hab mir gewünscht, immer so glücklich zu sein, wie er und wie ich in diesem Moment. Und ich hab mir vorgenommen, einfach von da an glücklich zu sein. Weil das Leben doch eigentlich gut ist. Was hast du denn davon, wenn du dich runterziehen lässt? Was bringt dir das denn? Ich mein, ein Leben ist doch erst wirklich was wert, wenn man richtig gelebt hat. Und für mich hat man das, wenn man glücklich ist. Meine Oma hat mich dauernd gefragt, was der Sinn des Lebens für mich ist. Ich wusste das da nicht, ich hab mir Gedanken drüber gemacht, das aber nie wirklich verstanden. Sie glaub ich auch nicht. Ich hoffe, sie hat es irgendwann verstanden, ich wünsche es mir sehr. Und ich wünsche, dass es für sie diesen Sinn auch gegeben hat. Dass sie glücklich war. Nicht immer, bestimmt nicht, dass kann keiner. Aber irgendwann. Und dass sie das nie vergessen hat und sich immer daran erinnert hat. Das ist doch das wesentliche. Zu wissen, dass man das kann. Glücklich sein ist nicht unbedingt abhängig vom „Schicksal“ oder wovon auch immer. Das kommt auf dich an. Auf das, was du erlebt hast, aus dem, was du aus all dem machst. Ich will glücklich sein. Das hab ich mir damals vorgenommen. Ich wollte jeden Tag als gut ansehen. Einfach jeden. Dann passiert wahrscheinlich auch nicht so schnell etwas, dass dich runterzieht. Irgendwie hat’s nicht geklappt.

Meine Mutter hat irgendwann mal zu mir gesagt, dass ich viel zu viel Unglück habe und dass es so ungerecht sei, dass mir dauernd irgendeine Scheiße passiert. Ich weiß, dass sie das gesagt hat, weil ich ihr leid tat und weil sie nichts mehr will, als das zu ändern. Aber ich glaube, indem sie das gesagt hat, ist mir das erst so richtig bewusst geworden. Da hat sich irgendwas verändert und ich hab angefangen, dran zu glauben, dass Glücklichsein und ich nicht zusammenpassen. Sobald man anfängt, so was zu glauben, wird alles nur noch viel schlimmer. Und irgendwann weiß man die guten Momente, die, in denen man glücklich ist, gar nicht mehr so zu schätzen. Die gehen halt vorbei.

Diese Einstellung muss ich halt ablegen. Das ist Gift für mich. Genauso wie Langeweile und Streit Gift für mich sind. Das tut mir nicht gut, ich gehe wortwörtlich ein. Und sehe Gespenster, fühle mich ungerecht behandelt. Selbst wenn es so ist, es ist wahrscheinlich gar nicht so schlimm, wie ich das sehe.

Wahrscheinlich stimmt es, und ich sollte das alles mal einem Psychiater erzählen. All das, was ich grad geschrieben hat. Aber dann würde das für mich keinen Sinn mehr ergeben. Ich hab die Antwort doch schon, wie ich das alles ändern soll, wie ich mich ändern soll. Ich brauche da niemanden, der mit mir über meine Kindheit spricht, um mein Problem zu erörtern. Sicherlich, meine Kindheit hätte schöner sein können, meine Jugend noch umso mehr und dann kamen halt die letzten Jahre, aber was bringt mir das, dass alles noch mal aufzuwühlen? Ich will das hinter mir lassen. Ich will nicht länger meine Zeit verschwenden. Ich weiß doch, wo das Problem liegt. Und da kann mir keiner helfen, ich könnte nur ein wenig Unterstützung gebrauchen. Von einem Freund. Einem richtigen Freund. Und bestimmt nicht von irgendjemand Fremden, der meinen Problemen auf den Grund gehen will.